400 Kilometer an Mosel und Saar

So sattes grün, voll und üppig, wie an der Saar habe ich selten auf meinen Touren gesehen – dabei war der Teil an der Saar zunächst gar nicht geplant. Eigentlich sollte es von Koblenz an der Mosel entlang Richtung Quelle gehen – so hatten es meine Radpartnerin Andrea und ich eigentlich überlegt. Ob wir Col de Bussang in den Vogesen tatsächlich erreicht hätten bei nicht mal einer Woche Fahrtzeit, bleibt indes dahin gestellt. So jedenfalls haben wir die Saar für uns entdeckt, radeln direkt am Wasser, zunächst noch ein paar Weinberge, wie man sie von der Mosel kennt, die dann aber schnell verschwinden und einem grünen Urwald weichen. Viele verschieden Vogelstimmen, eine Kakophonie wie eine Orchesterprobe, da gelingt es sogar, den ohnehin geringen Verkehrslärm auszublenden. Im Moseltal, wo sich Bahn, Autos und Räder den ohnehin knappen Platz noch teilen müssen, ist der Lärm omnipräsent – da hilft auch der Blick auf die Weinstöcke und die Aussicht auf den abendlichen Riesling nicht wirklich. Zwischendurch gibt es dann auch noch einen ordentlichen Guss, bei dem wir uns glücklicherweise unter einem zeltähnlichen Dach unterstellen können – wir für uns gemacht, sogar mit eigener Bank. Die Saarschleife wäre vermutlich ein Höhepunkt der Tour gewesen, hätten wir sie sehen können, wie er in den Reiseführern abgebildet ist – von schräg oben. Dafür gibt es einen gigantischen Aussichtsturm (Höhe 180 Meter) am Ende des Baumwipfelpfades in 23 Meter Höhe. So aber waren wir ebenerdig unterwegs – so sahen wir die vielen Blühpfanzen am Ufer, Mohn, Klee, Riesen-Bärenklau. Immer wieder kamen wir ins Gespräch mit Menschen, mit einem Stand Up Paddler, mit anderen Radlern und Reisenden, mit Einheimischen, die uns den Weg erklärten. In Saarlouis, der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes, zelteten wir schließlich. Der Campingplatz am Marschall Ney Weg 2 verdient besondere Erwähnung, unglaublich sauber, die Bäder liebevoll dekoriert. Gabi Brech, die den Platz seit 2011 zusammen mit ihrem Mann Willi führt, gab mir Morgens eine ganze Kanne Kaffee mit, als Andrea ihr Zelt noch abbauen musste. Da kann man gut auch länger bleiben. Wir aber fuhren weiter nach Saarbrücken, der tatsächlichen Hauptstadt, die ich von einem Besuch 2 Jahre zuvor in nicht so guter Erinnerung hatte. Damals war ich dort in der Oper, eine Mozart-Inszenierung, wenn ich mich recht entsinne, gute Sänger*innen, ein beeindruckendes Gebäude, doch die Stadt selbst war mir zu laut, zu viel Leerstand, hässliche Gebäude direkt an der Saar. Diesmal lotste uns Andrea direkt in die Altstadt, eine durchaus weise Entscheidung. Im größten Chaos der Fußballübertragung und feiernden Menschen scabbelten wir. Spät abends ging es zurück auf einen recht weit außerhalb gelegenen Zeltplatz zurück und am folgenden Morgen kurz nach Frankreich. Einsetztender Dauerregen und schlechte Wetter-Prognosen sorgten aber dafür, dass wir zurück fuhren. Insgesamt eine schöne Tour mit vielen herzlichen Begegnungen.

1 Kommentar

  1. Re Brautmeier Antworten

    Lieber Herr Knöpker,
    superdankeschön für den Bloghinweis, den ich gerade auch mal an meinen Mann weitergeleitet habe, der beim ADFC in Recklinghausen aktiv ist, sich allerdings gerade gestern erst als Fahrrad-Weichei qualifiziert hat, da er sich ein EBike zugelegt hat.
    Herzliche Grüße
    Re Brautmeier

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