Leicht und schwungvoll soll es in den Sommer gehen, sagt Generalmusikdirektor Golo Berg in der vorherigen Einführung ins zehnte und letzte Sinfoniekonzert der Spielzeit. Ursprünglich plante man ein Trommelsolo, aber der Trommler ist jüngst Vater geworden und hatte zu wenig Zeit zum üben. So kommt Tobias Krieger zu seinem ersten Soloeinsatz mit der Trompete. Bevor es aber so weit ist, werden die „Three Dance Episodes“ von Leonard Bernstein gereicht.
Es handelt sich dabei um eine orchestrale Suite mit einer Spieldauer von knapp 10 Minuten, in der die Musik aus drei Tanzsequenzen zusammengestellt ist. Drei Matrosen verbringen 24 Stunden Landurlaub. So verschieden die Matrosen, so verschieden die Musik. Der romantische, etwas naive Seemann, der in der U-Bahn einschläft und davon träumt seinen Schwarm „Miss Turnstiles“ zu erobern, kraftvoll und entschlossene Rhythmen, die das münsteraner Orchester klasse umsetzt. Es folgt ein melancholischer und zarter Tanz, „Lonely Town“, eine Szene im Central Park, in der ein einsames Mädchen von einem weltgewandten Matrosen verführt und schließlich sitzen gelassen wird. Den Abschluss bildet das furiose Finale des ersten Aktes aus „Times Square“. Alle Matrosen strömen im nächtlichen New York zusammen, mitreißende Musik im Jazz- und Swingstil der 1940er Jahre. Allein diese 10 Minuten sind das Eintrittsgeld wert, doch dann folgt ja noch Tobias Krieger mit seiner Trompete und „seinem“ Orchester, „Nobody knows the trouble I see“ von Bernd Alois Zimmermann dauert 15 Minuten, ein Appell an die Menschlichkeit und gegen den Rassenwahn. Es ist einfach toll anzusehen und zu hören, wie filigran und schnell Krieger, der dem Orchester seit etwa einem Jahr angehört, sein Instrument spielt, das ja im Jazz eine Stimme der Klage ist. Nach dieser Viertelstunde braucht man eigentlich etwas Zeit, um wieder runterzukommen, und Krieger hilft seinem Auditorium – er spielt eine harmonische, leichte, emotionale Zugabe und entlässt die Besucher in die Pause.
George Walkers „Lyric for Strings“ ist eine Hommage an die Resilienz seiner Großmutter, die als Sklavin geboren wurde, wehmütig und stark. Das Orchester versteht es, die Emotionen zu Gehör zu bringen. Und dann folgt eben jene Leichtigkeit, die Golo Berg seinem Publikum mit ins die Sommerpause geben will: „An American in Paris“ von Gerorge Gershwin – schmissige Melodien, Jazz, Blues, Charleston. Was werde ich bloß im Sommer machen – so ganz ohne Sinfoniekonzert?