Kein Union Jack, kein roter Doppeldeckerbus, keine Tower-Bridge, aber dafür jede Menge britische Komponisten, etwa Ralph Vaughan Williams, Henry Wood, dem nach England emigrierten Georg Friedrich Händel oder Benjamin Britten, mit dem das erste Sinfoniekonzert der Spielzeit gestern begann. Generalmusikdirektor Golo Berg hatte – für die meisten im Auditorium – noch eine besondere Überraschung, die er sich für den Schluss aufbewahrte.
Aber – wie gesagt – los ging es mit Benjamin Britten, der im Rahmen seiner „Variations and Fugue on a theme of Purcell“ eigentlich nur Instrumente vorstellen sollte – eine Art Soundtrack zu einem Lehrfilm, dessen Strahlkraft aber weit über den Schulbetrieb hinausreichte. Die Orchesterinstrumente wurden zwar schon vorgestellt, jedoch harmonisch in die Komposition eingearbeitet.
Schon wurde das Orchester stark ausgedünnt, die Bläser und Schlagwerker verließen die Bühne. Im Bühnenrücken standen 4 Geiger, die mal im Quartett, mal im Duett und mal als Solist spielte. Vorne mühten sich weitere Streicher, Ralph Vaughan Williams` „Fantasia on a Theme by Tallis“ zum Leben zu erwecken. So richtig mitgenommen hat es mich nicht.
Mit Henry Woods „Fantasia on British Seasongs“ hat es mich zum ersten mal gepackt. Nicht umsonst wurde das Werk schnell zum festen Bestandteil der „Last nights of the proms“. Allein schon das Trompetenintro geht einem unter die Haut, Posaune, Tuba, Querflöte, Klarinette – das ist satt und doch emotional und nicht überladen. Den meisten Menschen ist sicher „Tochter Zion“ bekannt – da hätte man schon gerne eine britische Fahne geschwenkt.
Nach der Pause ging es schwungvoll weiter mit Edward Elgar und dem Marsch Nr. 1 aus Pomp and Circumstance – nur 6 Minuten, die es aber in sich haben, so einprägsam und melancholisch, geradezu trotzig national. Da hat Berg direkt noch einen Elgar drangehängt, nämlich „Nimrod“ aus Enigma Variations, ein schönes, ruhiges Stück, das seinen Freunden gewidmet ist, augenzwinkernd und voller Liebe.
Händels „Zadok to the priest“ ist noch nicht das Ende, Musik zur Krönungszeremonie und gleichzeitig die Hymne zur Fußball Champions League. Zu Ende ist es erst mit „Bring me my bow of burning! Bring me my arrows of desire“, nämlich dem Lied Jerusalem, bei dem das Auditorium mitsingen kann und soll – Solist des Abends ist nämlich der philharmonische Chor, mit dem Interessierte vor dem Konzert das Stück einüben konnten. Ein schöner Abend, an dem man sich rundherum wohlfühlen konnte.