Vanillepudding mit Sahne

Dass wir nur Mozart zu hören bekommen und dann noch ganz ohne Solisten, haben wir Golo Berg zu verdanken. Vor diesem 9.Sinfoniekonzert im Großen Haus erzählt der Generalmusikdirektor in der Einführung gestern Abend, dass er sich das lange gewünscht habe. Er habe so oft die Sinfonien Es-Dur, g-Moll und C-Dur in seinem Musikerleben immer nur jeweils einzeln präsentieren können, dass es jetzt Zeit sei, einmal alle gemeinsam zu spielen. Und das war auch ganz nett, melodisch, harmonisch. Immerhin gehört die Sinfonie Nr. 40 zu den bekanntesten klassischen Werken, die für die Werbung genutzt werden, dramatisch und elegant gleich im ersten Satz mit hohem Wiedererkennungswert. Da sollte man Harmonie erwarten können.

Warm sei es nicht nur im Saal, sondern auch auf der Bühne, da sei das Orchester etwas leichter gekleidet, lässt Berg noch wissen, bevor er sein Orchester schwungvoll dirigiert. Vieles spricht dafür, dass Mozart seine letzten drei Sinfonien, die er in einer Wohnung an der ruhigen Wiener Peripherie in einem „Schaffensrausch“ schrieb, als Zyklus angelegt hat. Insofern macht es natürlich Sinn, an einem Abend alle drei Sinfonien zu spielen. Ich habe einen guten Blick auf den ersten Geiger und mir wird auch klar, weshalb man neue Geiger gerne die Sinfonie 39 vorspielen lässt, die dem armen Musiker so viel abverlangt. Aber andererseits ist virtuoses Geigenspiel nicht nur für die Ohren sondern auch für die Augen ein Genuss. Es ist immer wieder erhaben, das Münsteraner Sinfonieorchester zu erleben, wie die Musiker zusammenspielen, wie sich eins ins andere fügt. Mir persönlich kommen die drei Sinfonien nacheinander ein wenig vor wie Vanillepudding mit Sahne, sehr süß, irgendwie rutschig ohne Stolperstein und Aufregung, dafür mit zwei Pausen. Trotz der Wärme schaffen es die Besucher noch, standing ovations zu spenden.

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