Der Mond im Pumpenhaus

Wenn etwas 20 Jahre alt wird, darf der Mond schon mal scheinen. „MAKE“, Manfred Kerlaus Baby, präsentiert pünktlich zum eigenen Geburtstag gestern Abend: „Blake and me and the universe“ und das so eigen, so besonders, so unter Liebesbeweisen von Freunden und Weggefährten, dass sich alles ganz einmalig und warm anfühlt.

Das beginnt schon damit, dass der Besucher draußen von illuminiertem Schilf begrüßt und dass er argwöhnisch begutachtet wird von Hase, Wolf und Schwein. Kleine Kärtchen bekommt der Besucher in die Hand gedrückt mit Sinnsprüchen von William Blake, etwa „Der Fuchs gibt der Falle die Schuld, nicht sich selbst“. Und dann geht es runter in den Keller, vorbei an lavaspuckenden Vulkanen durch einen weiten Raum und über eine Hühnerleiter wieder hoch. Ich hätte nicht gewusst, wo ich bin. Es wird immer voller, vor einer Absperrung drängen sich die Menschen und sehen schwach beleuchtete Planeten, Monde, auf dem Boden eine Art Teppich aus Blumenkohlröschen, die Mondoberfläche, auf der aber auch mal Wasser sprudelt oder Feuer glüht. Ja, Blake, William Blake, ein zu Lebzeiten verkanntes Genie, ein Dichter, Maler, Visionär und Exzentriker, dessen Texte die fünf Schauspieler*innen subtil einbauen. Englischer Countdown, auch mal französisch, spanisch oder arabisch, schon gleitet Apollo 9 durch den Raum und mit ihm die Astronauten, etwa Russel Schweickart, Pilot der Mondlandefähre. Toll, wie die Schwerelosigkeit gespielt wird – ich glaube, es war Sabeth Dannenberg, die das so herrlich imitiert, oben am Mast festgehakt und alles in Zeitlupe mit wahnsinniger Körperspannung. Und immer wird das Publikum mitgenommen in eine Ecke des Raumes, setzt sich, stellt sich, staunt. Wie klein doch die Erde aussieht von so weit oben, man kann sie mit dem Fingernagel verdecken. Was im Großen ist, gibt es auch im Kleinen. Mitochondrien sind die Planeten in der Zelle. Eine tolle Mischung aus Schauspiel, Tanz und Lichteffekten, wie da Linien auf den Boden gezaubert werden, wo das Leben doch nur ein Punkt ist. So habe ich das Pumpenhaus noch nie gesehen. Ein schönes Geburtstagsgeschenk.

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