eine Fledermaus ist schneller als die Angst

Wenn plötzlich „Kratzer“ auftauchen, also fremde Wesen, die Kratzer hinterlassen, dann ist die Lage doch ernst, bedrohlich, gefährlich, oder? Muss man dem nicht Einhalt gebieten? Ein Familienstück über Toleranz passt in die Zeit und passt auch ins Theater Münster. Gestern Nachmittag war Premiere von „Funklerwald“ im Großen Haus, Bühnenfassung und Regie von Nils Zapfe nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Stefanie Taschinski.

Die vielen Kinder im Saal, einige sicher zum ersten Mal, waren ganz aufgeregt als sich in der Kulisse oben ein Fenster öffnete und Live-Musik ertönte. Marcus Thomas in der Rolle von Kautz besingt den Wald und begleitet sich selbst mit der E-Gitarre. Weiter unten gibt es einige Tore und Türen, durch die die Tiere des Waldes, Füchse und Luchse etwa aus ihrem Bau schlüpfen. An einer Leiter können sie klettern. Publikumsliebling ist übrigens das Wildschwein Bror, gespielt von Soraya Abtahi, die auch das Waschbärjunge Rus mit Leben erfüllt. Als Wildschwein bewegt sie sich so herrlich mit hängenden Schultern und schlackenden Armen, trägt ein tolles Kostüm, grunzt und kümmert sich eigentlich so gar nicht um die Vorkommnisse im Wald, macht eher mal ein Schläfchen. Das Luchs-Junge Lumi (Ramona Petry) freundet sich mit dem Waschbär-Nachwuchs Rus (einer der Kratzer) an und erfährt so, dass die Waschbärfamilie wegen eines Sturmes ihren Wald verlassen musste. Während der Fuchs Schnauz (Christian Bo Salle) eilig ein Treffen der anderen Waldtiere einberuft, um die Kratzer loszuwerden, machen sich die beiden Jungtiere auf die Reise zum Wandelbaum. Denn so recht wollen sie die Erzählungen der Alten nicht glauben, nach der alles irgendwie so bleiben soll wie es ist. Jedes Tier des Waldes hat seinen Baum. Kratzer kommen jetzt mit einem Walnußbaum. Hat man das denn schon gesehen? Die Reise ist originell dargestellt, wird doch kurzerhand die Kulisse gut zur Hälfte in den Orchestergraben versenkt. Von oben entrollt sich eine Leinwand, auf die die Bedrohungen projiziert werden. Furchtbares Wolfsgeheul erklingt und ein kleines Spielzeug-Wolfsrudel aus Plastik erscheint in Großformat, immer wieder auch die sorgenvollen Gesichter der Tiere, die mit Hilfe einer Fledermaus (Daryna Mavlenko) ihr Ziel erreichen. Die hat zwar auch Angst bei den Lauten des Waldes, aber „eine Fledermaus ist schneller als die Angst“. Jetzt gilt es, Rätsel zu lösen. Als Wandelbaum ist wieder Marcus Thomas im Einsatz, der nicht nur alleine singt, sondern mit allen Tieren des Waldes gemeinsam.

Eine schöne Inszenierung. Ich persönlich fand es schade, dass das Ganze nicht mehr im Wald stattfand, aber das ist das Konzept und soll wohl bedeuten: der Wald ist überall – auch in der Großstadt. Kinder sollte man aber nicht unterschätzen.

Schreibe eine Antwort

Navigiere