Petterson bastelt mal wieder. Von der Decke hängen Schnüre, aber irgendwie funktioniert die neue Erfindung noch nicht so ganz, nachgeschraubt, getackert, geölt. Na ja, auf dem Bauernhof gehen die Uhren eh anders, drei Hühner spielen Karten und feiern den 32. Mai. Müde streckt sich Kater Findus auf dem Hausdach, als der Hahn Caruso sich anmeldet, verfolgt vom Nachbarn Gustavsson, der den Hahn am liebsten in der Suppe sähe. „Petterson und Findus und der Hahn im Korb“ heißt die Kinderoper, die im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen aufgeführt wird. Die musikalische Leitung obliegt Askan Geisler, der selbst am Klavier sitzt. Regie führt Nina Dudek. Gestern Nachmittag war Premiere – die durfte ich nicht verpassen.
Es ist wie in der Oper für große Leute – es geht auch um die großen Dinge, um Leben und Tod, um Liebe und Eifersucht und – natürlich – um Arien und Duette. Die drei Musiker müssen ein ganzes Orchester ersetzen. Das machen sie richtig gut. Überhaupt ist die ganze Inszenierung so liebevoll angelegt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, die jungen Zuschauer könnten dem „Genre Oper“ künftig untreu werden. Und dann sind die einzelnen Rollen noch so gut besetzt. Annika Steinkamp in der Rolle von Findus hat etwas katzenartiges, leichtes, schnurriges. Oh, was zeigt Findus seine Krallen, als Hahn Caruso auf der Flucht vor dem Kochtopf die drei Hühner bezirzt und nicht mehr zu singen, äh zu krähen aufhört. Sergio Augusto in der Rolle Caruso, irgendwie eine Mischung aus Hahn mit rotem Kamm und übergewichtigem Elvis-Double, macht das auch klasse, selbstgefällig in der Mitte von Hühnern, die ihn anhimmeln und so traurig, als er nicht mehr singen darf. Und dann der Nachbar Gustavsson (Yevhen Rakhmanin), der nur ein paar mal auf die Bühne kommt, stets mit Suppenkelle mit dunkler Stimme und buschigem Schnäuzer. Mehr braucht es aber auch nicht – alle Kinder wissen Bescheid. Die drei Hühner sind nicht übertrieben flatterhaft – trotzdem jederzeit als Hühner zu erkennen. Und dann natürlich Petterson selbst (Piotr Prochera), in sich ruhend, entspannt mit ebensolchen Arien. Musik, Gesang, Schauspiel, Bewegung – das passt einfach alles. Und dann funktioniert auch Pettersons Erfindung – eine Eingießmaschine.
Eine schöne Inszenierung, warmherzig, bunt, fantasievoll – da sind auch die vielen Kinder im Plenum begeistert.