Regierte Recht; so läget Ihr vor mir im Staube jetzt

Regierte Recht; so läget Ihr vor mir im Staube jetzt, denn ich bin Euer König, dieser Satz – hart und doch emotional von der schottischen Königin Maria Stuart der englischen Königin Elisabeth Todor I entgegengeschleudert – darf nicht fehlen, denn es geht um Macht in diesem Stück von Schiller. Gestern Abend war Premiere von Maria Stuart unter Regie von Julia Hölscher in Münsters Großem Haus. Zwei starke Frauen, zwei starke Schauspielerinnen.

Alles ist angerichtet für die letzten Tage der Maria Stuart, eine aus Halbkreisen bestehende drehbare Arena, Verlies und Gericht gleichermaßen. Alles ist bereit für den emotionalen Showdown, intrigante Randfiguren und Doppelagenten inklusive – es scheint, die Menschheit hat in 450 Jahren nicht viel gelernt. Seit 19 Jahren bereits ist Maria Stuart, großartig gespielt von Katharina Rehn, stark und leidend, kämpferisch und resignierend, gefangen und wartet auf ihr Urteil. Sie soll Teil einer Verschwörung sein, um ihr, der Katholikin, auf den englischen Thron zu verhelfen. Elisabeth, Königin von England, ebenso überzeugend gespielt von Katharina Brenner, stark und doch zweifelnd, hadert mit der Unterschrift unter das Todesurteil, das von Volk und Richtern getroffen wurde. Immerhin sind die beiden Königinnen Cousinen ersten Grades. Immer wieder gibt es auch Rückbesinnungen, die beiden spielen in jungen Jahren, werfen sich Bälle zu, unbeschwert mit kindlicher Leichtigkeit. Aber der Druck nimmt zu. Das Volk wartet auf die Vollstreckung des Urteils. Solange Elisabeth nicht für einen Thronfolger gesorgt hat und Maria Stuart Monarchin werden könnte, droht im protestantischen England ein neuer Glaubenskrieg. „Viele Ringe bilden eine Kette“, sagt sie zwischendurch. Graf von Leicester rechnet sich Chancen bei Elisabeth aus, doch französische und spanische Verbindungen wirken sinnvoller. Julius Janosch Schulte als Graf von Leicester spinnt die Fäden im Hintergrund, hat Drähte auch zu Maria Stuart. Das macht er gut, überzeugend scheinheilig muss er doch eingestehen, dass er in Verbindung zur Gefangenen steht. Freilich stellt er es anders dar. Dabei wird die drehbare Arena von oben und unten bespielt, oben ist die Macht, die sich auch mal nach unten verirrt. Es kommt sogar zu einem Treffen der beiden Blaublütigen, Auge in Auge. „Regierte Recht; so läget Ihr jetzt vor mir im Staube“ Das machen die Schauspieler*innen einfach klasse, sorgen für Aktion, in dem sie die Halbkreise drehen, unten und oben auftauchen. So werden die zwei Stunden Spielzeit nicht ermüdend. Als schließlich das Todesurteil schon vollstreckt ist, gibt Königin Elisabeth die Verantwortung noch ab, dabei war sie es doch, die sich dem Druck gebeugt hat und das Urteil unterschrieben hat. Eine gelungene Inszenierung, die von der Intensität der Schauspieler*innen lebt, emotional herausfordernd. Das haben alle überzeugend auf die Bühne gebracht.

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