Generalmusikdirektor Golo Berg steht mit dem Rücken zum Publikum, er wirkt wie ein großer schwarzer Vogel, der sein Gefieder vor dem Abflug noch einmal in Form bringt, so als ob sich alle Federn auf Kommando aufrichten. Dann bricht eine Welle der Energie von Nikolai Rimski-Korsakows „Russische Ostern“ über das gut gefüllte Große Haus in Münster. „O frischer Duft, oh neuer Klang“, unter diesem programmatischen Titel stand das gestrige 7. Sinfoniekonzert, wohl auch deshalb, weil nach Beethoven musikalisch eine neue Zeit anbrach.
Viele Besucher dürften sich auf Radek Baborák gefreut haben. Der Solohornist der Tschechischen Philharmonie genießt Weltruhm. Allerdings wies Berg schon in der vorherigen Einführung ins Werk darauf hin, dass Baborák seit dem Nachmittag krank sei. Dennoch wolle er spielen. Für einen Teil des Auditoriums war es deshalb kaum verwunderlich, dass der Tscheche mitten in Glières Konzert für Horn und Orchester eine kleine Auszeit nahm. Und dennoch – selbst krank und mit Schweiß auf der Stirn – war das Spiel des Hornisten einzigartig und die Harmonie mit dem Orchester überwältigend. Übrigens hat Glière, Urgestein des sowjetischen Musikbetriebs, das Konzert nach der Begegnung mit einem russischen Solo-Hornisten geschrieben. Er hat sich das Instrument in all seinen Facetten zeigen lassen (oder besser hören lassen) und eigene Vorurteile nicht nur revidiert, sondern eben auch eine ganz eigenes Konzert für Horn und Orchester komponiert.
Nach der Pause konnte das Orchester allein zeigen, was in ihm steckt. Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass das eine Menge ist, so viel, dass auch WDR 3 aufzeichnet und im Mai ausstrahlt. Auf dem Zettel steht Robert Schumann mit seiner ersten Sinfonie, die er in kurzer Zeit geschrieben hat, nachdem ein erster Versuch 10 Jahre zuvor Fragment geblieben war. Schumann hat die Sinfonie in der Blüte seines Lebens und in starker Zuneigung zu seiner Frau Clara geschrieben. Den Beinamen Frühling trägt sie, die Sinfonie, alles sprießt und grünt voller Leben, pulsiert und zeigt die Kraft. Darin sind so viele Wendungen und Gassen und Plätze und Instrumente, dass man seitenlang schreiben kann und doch nichts erfasst.
Das Konzert wird heute wiederholt. Gute Besserung Radek Baborák.