„Besäße ich die ganze Welt, nur Demitrius bliebe mir. Weißt Du was? Hier“, die Worte von Hermia in Shakespeares Sommernachtstraum hätte ich auch gerne gehört bei der Premiere in Münsters großem Haus gestern Abend. Zweiter Rang, dritte Reihe machten es unmöglich. Jenseits der schlechten Akustik, konnte ich auch kaum etwas sehen. Zwischendurch stellte ich den Klappsessel auf und setzte mich dann erhöht auf den senkrechten Boden. Das wiederum ging zu Lasten der Bequemlichkeit. So kann ich also Regisseur Sebastian Schug nicht gerecht werden, zumal ich die Vorstellung nach einer guten Stunde verließ. Stattdessen suchte ich das Gespräch mit Teilen einer privaten Theatergruppe aus Damme, die einen Tag in Münster verbrachten und sich mit dem Theaterstück belohnen wollten. So richtig überzeugen konnte sie die Inszenierung wohl nicht.
Ein paar Eindrücke habe ich aber doch gewinnen. Nach der künstlerischen Freiheit des Regisseurs hat man auf den verzauberten Wald im antiken Athen verzichtet, wo die Geschichte ja eigentlich spielt. Stattdessen gab es eine Kommode und eine Kleiderstange mit Kostümen – sicher nicht ganz unwichtig – schließlich möchte ja eine Gruppe von Handwerkern zu Ehren der Hochzeit von Hippolyta und Theseus am Hof ein Theaterstück aufführen. Mir aber fehlte der Wald, der wichtig ist für Feen und Elfen, für das Mystische, für das Heimliche, die Überraschung hinter jedem Busch, Ast und Zweig, für die Zauberwirkung. So musste sich das Auditorium auf dem abgeblätterten, mitgenommenen Theaterboden, eine grüne Fauna vorstellen. War das künstlerische Freiheit oder ein Kostensenkungsprogramm? Richtig gut gefallen hat mir Katharina Rehn als Helena, die beweisen will, dass sie alle Rollen spielen kann und dabei so herrlich übertreibt, männlich-brüllend und weiblich-piepsend, sexuell übergriffig und leidend. Außerdem gab es am rechten Bühnenrand noch ein paar Instrumente, die zwischendurch etwas gequält wurden. Angeblich – aber das kann ich nicht selbst beurteilen – soll man später sogar musiziert haben.
Schade, ich hätte gerne mehr aus erster Hand geschrieben.