Verschwindende Landschaft

Die letzten Töne der Musik verklingen, das gleißende Licht, das das Publikum fast unangenehm bestrahlt, wird gedimmt bis es schließlich ganz erlischt. Die israelische Choreographin Karen Levi schwebt beinahe auf die Bühne im Pumpenhaus, in ihrer Hand eine Pappschachtel. Und dann erzählt Levi von ihrer Großmutter, die eine Woche zuvor verstarb, von der Beerdigung, von deren Wohnung hoch oben im Wolkenkratzer mit dem eingeschränkten Sichtfeld auf ein Fußballfeld – das alles in englischer Sprache. „Departing Landscapes“ heißt das Solo von Karen Levi, das heute Abend wiederholt wird. Man muss schon Liebhaber der Avantgarde sein, zumindest des Experimentierens, um die Performance so einzuordnen, wie es die Künstlerin möchte. Es ist eine Herausforderung, denn Musik im eigentlichen Sinne gibt es nicht, vereinzelt hohe Töne, zwischendurch mal eine Art Spannungsentladung. Der eigentliche Tanz beginnt erst spät in einem Stück, das insgesamt nur 50 Minuten dauert. Erst nachdem Levi Fotos der Großmutter, Schwarz-Weiß-Aufnahmen, aus…

Navigiere