Macht und Missbrauch

Ein puristischer Bühnenaufbau, ein sich verjüngender Steg als (Haupt-)Bühne und dahinter ein silbrig-glänzender Flattervorhang. Etwas langatmig und umständlich beginnt die Shakespeare-Komödie „Mass für Mass“ gestern im Großen Haus, eine Inszenierung von Ronny Jakubaschk. Aus einem scheinbaren Knäuel von Menschen, die sich mühevoll, langsam-tänzerisch bewegen und dann auch noch anfangen zu singen, tropfen nach und nach die Protagonisten von der Bühne. Übrig bleibt allein Vincentino, Herzog von Vienna. Der Herzogs Ruf ist allzu liberal. Unzucht, Kuppelei, so kann man dem Laster nicht begegnen. Deshalb überträgt er unter einem Vorwand dem Edelmann Angelo (Jonas Riemer) die Stadtgeschäfte und schon ist er Vienna enteilt. So ganz ist er hingegen nicht verschwunden. Er verkleidet sich als Mönch. So kann er den Statthalter Angelo unerkannt und hautnah beobachten. Und was er da zu sehen bekommt, gefällt ihm so gar nicht. Denn Angelo, von süßen Duft der Macht berauscht, statuiert sogleich ein Exempel. Der arme Claudio…

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