von Rollschuhakrobatik und Jungfrauen ohne Kopf

Ausgerechnet Charlotte von Radio Antenne Münster holt Moderator Marcel Kösling auf die Bühne, dass sie Papiertaschen vertausche, in denen in einer ein Zimmermannsnagel steckt. Möglicherweise bohre sich dieser durch die Hand des Moderators. Kösling ist nicht nur Moderator sondern auch Illusionist und Sänger in der neuen GOP-Show „Keine halben Sachen“.

Auch wenn der Gesang eher nicht zu den ganz großen musikalischen Highlights gehört und einige Gags doch etwas vorhersehbar und verstaubt scheinen, Kösling moderiert insgesamt geschmeidig und hat seinen ganz großen Auftritt, als er auf dem Hamburger Dom, vergleichbar dem Münsteraner Send, Jahrmarktbesucher in die dortige Show lockt. Mit starkem osteuropäischen Akzent und hochgestelltem Kragen zwitschert er: „Kommen Sie gucken Jungfrau ohne Kopf auf Buhne.“ Schöne Metamorphose vom netten, freundlichen Moderator, der sich Mühe gibt, Bindeglied zu sein, hin zum etwas schmierigen, schleimigen, schmuddeligen Typen, dem man ganz sicher keinen Gebrauchtwagen abkaufen würde. Da hat er Klaus nach oben geholt, den stämmigen Klaus aus der ersten Reihe, der ein Kind spielen und Tücher im Hut verschwinden lassen soll. Klaus macht das gut mit und verleiht der Show eine Extra-Prise Pfeffer. Die Einlagen hätte man ihm gar nicht zugetraut, wie er da behände den Zaubergestus beherrscht. Das ist selbstverständlich einen Zwischenapplaus wert. Kösling gestaltet den Abend natürlich nicht allein. Er hat auch großartige Gäste aus aller Welt, wie Maryna und Chris, die auf einer kleinen, kreisrunden Bühne mit einem Durchmesser von vielleicht 2,50 m Rollschuhakrobatik zeigen. Dabei bleibt dem ein oder anderen schon mal der Atem stehen. Denn Chris hält seine Partnerin an Fuß und Arm, während er sie unglaublich schnell rotieren lässt. Dabei schrappt der Kopf von Maryna häufig nur knapp am Boden vorbei, während ihre langen Haare ihn fegen. Maryna zeige auch Solo-Equilibristik und verbiegt ihren Körper den Gesetzen der Physik und Biologie widersprechend. Da kann man nur hoffen, dass nachher alles wieder an seinem Platz ist.

Gäste wie das Duo El Beso aus der Ukraine am Vertical Pole, also an der Stange. Zu großartiger Musik tanzen die beiden, hangeln an- und wickeln sich umeinander, romantisch, anmutig, kraftvoll. Das ist ästhetisch, schön anzusehen, eine Hommage an Auge und Ohr. Einen kurzen Moment herrscht Ruhe nach dem Act, weil die Menschen im GOP sich besinnen müssen, bevor sie den Künstlern Respekt zollen.

Ein schöner Abend mit einer Reihe weiterer Künstler, die Jonglage in Perfektion, Hula Hoop oder Unterwasser- und Weltraum-Pantomime zeigen, aber keine halben Sachen.

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