früher war mehr high culture

Ein bisschen fühlt man sich wie im eichenvertäfelten Friedenssaal, als Smee da auf einem Podest so lustvoll den Hammer schwingt und vom Amboss singt, ein Eindruck, der sicher beabsichtigt ist. 375 Jahre westfälischer Friede bestimmen eben auch das Opernprogramm in Münster. Dass das aber für das Auditorium zum Genuss führt, das darf man bezweifeln. Franz Schrekers Zauberoper „der Schmied von Gent“ unter musikalischer Leitung des ersten Kapellmeisters Henning Ehlert, ist gestern Abend nur schwach besucht und leert sich in der Pause nach dem ersten Akt weiter. Das hat seine Gründe.

Man kann nicht mal jemand konkret die Verantwortung geben, abgesehen von Regisseurin Magdalena Fuchsberger. In den Hauptrollen Smee und seine Frau, also Alik Abdukayumov und Wioletta Hebrowska, singen ordentliche Arien, das Orchester spielt wie gewohnt überzeugend und der Chor ist sogar richtig gut, wie er da auftritt in verschiedener Gestalt, mal als Arbeiter, mal als Teufel. Aber insgesamt wirkt die Inszenierung wie eine Persiflage. Ein Eindruck, der sich im zweiten Akt weiter steigert, als ersichtlich wird, was die sieben fetten Jahre aus Smee und seiner Frau gemacht haben. Der Schmied hatte sich auf einen Deal mit dem Teufel eingelassen und im Gegenzug für seine Seele eben 7 Jahre im Überfluss leben können. So waren er und seine Gattin kugelrund geworden. Witzig natürlich, welche Mühe beide haben, sich kunstvoll zu bewegen, zu setzen und zu tanzen. Diese Komik kontrastiert mit der Ernsthaftigkeit des beginnenden 30-jährigen Krieges und dann treten auch noch Nazi-Schergen auf. Das mag ja alles beabsichtigt sein, damit dem Schrecken der Schrecken genommen wird, aber ich empfand das als unpassend, lächerlich, grotesk. Im zweiten Akt wurde über der Bühne ein großer Quader installiert, der wohl die gut laufende Schmiede symbolisieren sollte, mit sattem Feuerschein, fliegenden Weinflaschen, Käse und Schinken als Zeichen für wirtschaftlichen Erfolg. Das hätte man sich ebenso sparen können wie den Fernseher, der auf die Bühne gerollt wurde. Ich habe darauf nichts erkennen können, und ich saß noch gut. Schade. ich hatte mich auf einen Opernabend gefreut.

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