gute Geschäfte in der Rüstungsmanufaktur

Torte, Sekt, Luftballons – es ist alles angerichtet für den neunzigsten Geburtstag des österreichischen Waffenherstellers Gaston Glock, einschließlich illustrer Gäste wie Joan Collins, Naomi Campbell und John Travolta. Im Mittelpunkt steht aber nicht etwa Gaston Glock selbst, sondern eine goldene Glock17, eine Handfeuerwaffe, die es zu weltumspannender Berühmtheit gebracht hat, hübsch drapiert auf einem fransigen Samtkissen. Mit „Am Anfang war die Waffe“ unter Regie von Ruth Mensa startete gestern Abend das Schauspiel im Kleinen Haus in die neue Spielzeit, eine deutsche Erstaufführung.

Nicht etwa Sprache, Lungenatmung oder Menschlichkeit ist das verbindende Element sondern Bewaffnung. Da gibt es die aktive Fraktion, totbringende, zerfetzende Geschosse, eindringlich, emotional, kalt und heiß zugleich geschildert von Nadine Quittner in der Rolle von Gastons Ehefrau Kathrin, die die Geschäfte in der „Rüstungsmanufaktur“ inzwischen übernommen hat. Und es gibt die historischen Waffen, die Mahnmal sein könnten, aber doch nur belächelt werden. Von Afghanistan, das der Westen nach 20 Jahren militärischer Präsenz 2021 verlassen hat, zurück ins Berlin der „hier legt Ansgar Sauren immer eine kleine Pause ein, als müsse er überlegen“ Nazis. Über allem steht aktuell die Ukraine. Doch es geht ebenso um Flüchtlinge, die vor Waffen fliehen und bei Grenzübertritt notfalls auch mit Waffen bedroht werden. Alaaeldinn Dyab gelingt es hier sehr eindrucksvoll, die Gefühlslage von Heimat und Flucht, Vater, Iran, Syrien, Türkei wiederzugeben. Es geht aber auch um den NSU, um Mölln, Rostock, Solingen und Lichtenhagen. Immer spielen Waffen eine Rolle. Zwischendurch ist es der betagte Senior selbst, Ilja Harjes in der Rolle des Gaston Glock, der doch bitte die Leichtigkeit zurückholen will. Man wird schließlich nicht jeden Tag 90, und so schmettert er ein paar Robbie-Williams-Songs. So recht betagt wirkt der Waffenproduzent zwar nicht, was aber vielleicht auch gar nicht beabsichtigt ist. Gut gefallen hat mir auch Samita Dauenhauer, die fortwährend gute Laune transportiert hat, Lächeln, Grinsen, alles easy, selbst als sie auf dem Boden lag und sich selbst gefilmt hat, die Sequenzen großformatig im Bühnenrücken. Dabei war da nichts zum Lachen.

Eine gelungene Inszenierung.

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