vom westfälischen Robin Hood

Wenn der oberste Steuereintreiber dem Sheriff von Nottuln wieder mal meldet, dass die kompletten Steuereinnahmen von Havixbeck, Rorup und Darup im Haselwald geraubt wurden, dann kann nur einer Schuld sein: der Mann mit der Feder an der Kopfbedeckung ist Rabenhut. Das treibt nicht nur den Sheriff zur Weißglut sondern auch den Osnabrücker Bischof Wigbolt von Holte. Dass Robin Hood urwestfälisch ist, demonstrieren „Freuynde und Gaeste“ zurzeit im Blauen Haus. Ein bisschen Heimatkunde kann nicht schaden.

Autor Zeha Schröder macht dabei nicht mal vor Landesgrenzen halt, hat er doch Elisabeth von Bergh kurzerhand aus den Niederlanden entführen und in Westfalen zur Äbtissin ernennen lassen, auch letzteres offensichtlich gegen ihren Wunsch. Denn sie hat in der Heimat einen Verlobten, Floris von Pallandt, der auf der Suche nach seiner Braut in eben jenen Wald gerät, in dem Rabenhut sein Unwesen treibt. Eigentlich haben es Rabenhut und seine Mannen ja auf größere Summen abgesehen. Um aber das nötige Werkzeug für einen Sturm auf den nottulner Geldturm finanzieren zu können, müssen auch normale Reisende dran glauben. Zeha Schröder in der Rolle  des Niederländers trägt einen blauen, mit vielen roten Tulpen übersäten Anzug und kann – mit breitem niederländischen Akzent – statt ausgeraubt zu werden das Herz von Rabenhut (Johann Schüling) erweichen. Auf geheimen Wegen führt der ihn ins Kloster, wo neuerdings auch Novizin Annemarie (Anke Winterhoff) tätig ist. Parallel dazu bereitet der Sheriff eine Falle vor, von der die „Rabenhüte“ aber wissen oder zumindest ahnen. Zum großen Bogenduell kommt es zwischen Rabenhut und Reiner Zufall, einem Bogenschützen im Dienste des Sheriffs. Wer ist der beste Schütze? Und was folgt daraus? Außerdem gibt es eine wilde Verfolgung und Prügelei zwischen dem Arm des Gesetzes und dessen Gegenteil – und das alles im Blauen Haus.

Drei Schauspieler also, die in ganz verschiedene Rollen schlüpfen, was auch bedeutet, dass sie sich immer wieder umziehen müssen und schon mal den Hinterausgang nutzen, um in anderer Person durch den Haupteingang wieder in die Kneipe zu kommen. Dazu gibt es reichlich musikalische Einlagen, improvisierte Instrumente und tolle Choreographien. Ein Kompliment an Zeha Schröder, der aus dem Stand mehrfach auf einen Tisch springt, ein Kompliment auch an Anke Winterhoff für ihren schönen Gesang und ihre gespielte Männlichkeit, das Schnäuzen, die verstellte männliche Stimme und ein Kompliment an Johann Schüling, der überzeugend nicht nur Rabenhut sondern auch die Äbtissin Elisabeth von Bergh darstellt. Zwischendurch singen die beiden Männer auf der Treppe, während Anke Winterhoff den Background-Chor gibt. Eine kurzweilige „Entertainment-Parodie“, die selbst eingefleischte Historiker überzeugen dürfte und nur eine mögliche Konsequenz zulässt – aber da will ich nicht zuviel verraten.

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