Henning Wehland verändert die Welt – als Oberbürgermeister oder tanzend

Henning Wehland ist schon fast Garantie für ausgelassene, gute Stimmung, so wie man ihn kennt, singend, tanzend, das Publikum animierend. Da liegt es auf der Hand, dass Adam Riese in der ersten Hälfte seiner Show seine anderen Gäste zum Interview auf die Couch in der Cloud bittet.

Zum vierten mal schon gastiert die Adam-Riese-Show, die bis zum letzten Jahr regelmäßig im Pumpenhaus zu Hause war, am Germania-Campus. Wie immer dabei sind natürlich an den Percussions Markus Paßlick und seine Original Pumpernickel Alfred M. Sicking am Vibraphon und Jürgen Knautz am Kontrabass. Das Trio ist einfach großartig. Die US-amerikanische Jazz-Sängerin Stephanie K. lockert bis zur Pause etwas auf. Das ist allerdings auch nötig. Denn obwohl die junge Schauspielerin Janina Fautz charmant erzählt von ihren Rollen in Wilsberg und Münster-Tatort, von den „wilden Kerlen“, von Agenturen und Talentsuche, und obwohl Manager Claus-Dieter Toben für so einige Geschichten gut ist, die „auch ganz interessant“ sind, hätte man diese erste Hälfte gut und gerne um die Hälfte eindampfen können, das kann selbst ein Moderator wie Adam Riese kaum retten.

Als dann nach der Pause aber der quirlige Musiker Henning Wehland auftritt, sind Aufmerksamkeit Stimmung und Bühnenpräsenz gleich ganz anders. Da ist ein Profi auf der Bühne, der von seinem Vater erzählt, wie der 1979  nach Münster gekommen sei, als er für „Top-Agar“ (den Spiegel der Landwirte) gearbeitet habe. Wehland erzählt von der Nikolaischule Wolbeck und wie seine Mutter ihm, Henning, ein Butterbrot nachgebracht habe und bei dieser Gelegenheit entdeckt habe, dass er sich in der Schule ganz anders verhalte als zu Hause. Wehland erzählt von den H-Blockx und den Söhnen Mannheims, von seinem Solo-Album „der letzte an der Bar“, von David Bowie, Jon Bon Jowi, Lebenskrisen und den USA. Das wichtigste aber : er singt. „Der Affe und ich“ etwa oder „tanz um Dein Leben“. Mit diesem „Tanz-Song“ fängt er das Auditorium, das er auffordert, den Nachbarn zu berühren und sich rhythmisch zu bewegen. Tatsächlich macht der ganze Saal mit. Es kostet etwas Mühe, wieder Ruhe in die Cloud zu bekommen. Doch Wehland muss ja noch erzählen, dass er gar nicht unbedingt Oberbürgermeister werden muss, zumal er Lewe sehr schätze. Einstweilen könne man eben auch durch tanzen etwas bewirken und dann sei das Volk eben schon eingegroovt, wenn er, Wehland, zweitausenirgendwann dann doch zur Wahl stünde.

Und dann gibt es noch einen besonderen Leckerbissen, als Stephanie K. und Henning Wehland um die Gunst der „Jury“ wetteifern müssen, wer denn besser einen völlig fremden Text auf die Melodie eines bekannten Liedes singen kann. Während sich  Stephanie K. mit einem Plätzchenrezept auf „American Pie“ abmüht, geht es Wehland kaum besser: Er hat es mit der Gebrauchsanweisung für einen Staubsauger zu tun. Passen muss das auf „Yesterday“. Derart sentimental gestimmt, geben die beiden ein Duett zum Besten – auf deutsch und amerikanisch. Es folgt ein Spiel, an dem alle Gäste teilnehmen sollen, indem jeder immer abwechselnd ein Wort sagt, was leider etwas in die Hose geht. Doch was soll`s – der Abend sorgt insgesamt bei den Zuschauern für gute Laune und so manch einer wird sich schon auf die nächste Folge im September freuen.

 

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